Gudrun Heyens

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Prof.Gudrun Heyens
Lutherstrasse 11
47058 Duisburg
Tel.: 0203-3460876

































  
aus: Madrigal

 
Ich bin der Duca!
Dass Guglielmo sich dies sagen musste, und heute nicht zum ersten Mal, kam einer Demütigung gleich. Er fühlte sich nicht größer als eine Maus im Mauseloch, aus dem es nur den einen Ausgang gab, doch vor diesem lauerte die Katze. Sie hatte das Gesicht seiner Frau. Es gab kein Entrinnen für ihn, der doch alle Fäden in der Hand halten müsste, alle Geschicke zu lenken hätte. Er vermochte nicht einmal sein eigenes zu lenken, es brachte ihn tatsächlich dazu, an Flucht zu denken. Flucht vor der eigenen Familie!
Seit sie aus Ferrara zurück war, hatte Eleonore kein einziges Wort an ihn gerichtet. Ergeben wie ein Eunuch lief er an ihrer Seite, als gehöre er zu ihrem Gefolge. Es gab keinen Zweifel, es war eingetreten, was er befürchtet hatte: Er war entlarvt worden.
 




Der Verrat hatte stattgefunden, Eleonora musste von seinem Fehltritt erfahren haben, hatte womöglich, Gottbewahre, seiner dritten Tochter gegenübergestanden.  Als hätte er das Unvermeidliche bereits geahnt, und auch, weil er nicht als der reuige Verursacher der ganzen hochzeitlichen Misere in Erscheinung treten wollte, hatte er Vincenzos nachgeholte Feier in Ferrara gemieden. Auf diese Weise war er – der Madonna sei Dank! – nicht anwesend gewesen, als man Eleonore die schändliche Wahrheit hinterbrachte, die Zofe Costanza voller Scham ihr Haupt bedeckte und ihn und ihr Geschick verfluchte. Das malte er sich aus und es quälte ihn. Irgendwie war Costanza doch auch sein Fleisch und Blut. Ausgerechnet sie hatte womöglich seine Klugheit geerbt. Er hatte ihren tiefen Blick gesehen.

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